Fotografie

Einleitung

Das Abbilden von wichtigen Ereignissen, besonderen Menschen, Orten und Sachen als zweidimensionales Bild war schon immer ein wichtiges Mittel, um diese für spätere Generationen oder auch andere Menschen festzuhalten.
Dies wird schon seit der Steinzeit praktiziert und unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen.

Felsritzung in Süd-Norwegen
Felsritzung in Süd-Norwegen

Seit je her versucht der Mensch für ihn wichtiges als Bild festzuhalten. Beispiele dafür gibt es genügend: z.B. Höhlenmalereien von Beutetieren, Felsritzungen von Booten und Menschen usw.
Im Laufe der Zeit haben sich die Methoden und die Genauigkeit der Abbildung weiter gesteigert. So wurden aus einfachen Ritzungen oder Zeichnungen detailreiche Bilder, die das Motiv bis ins kleinste Detail getreu der Wirklichkeit abbilden. Dabei wurde aber stets das Motiv vom Menschen mit Farbe nachgezeichnet.
Erst 1839 ist es gelungen, die Wirklichkeit einzufangen und als Lichtbild zu bewahren: die Fotografie wurde erfunden.
Innerhalb eines Jahrhunderts ist es der Fotografie gelungen, die Maler und Zeichner aus dem Bereich der Dokumentation fast vollständig zu verdrängen. Sieht man mal von Gerichtszeichnern ab, sind Maler und Zeichner heute eher reine Künstler.

Eine Kunst war das Abbilden durch Malen und Zeichnen schon immer, schließlich galt es, neben der reinen Dokumentation, auch bestimmte Eigenschaften, Besonderheiten usw. im Bild festzuhalten. Diese wurde durch Form- und Farbgebung, bestimmten Posen, Perspektiven und Maltechniken erreicht.
Diese Funktionen hat jetzt die Fotografie übernommen. Auch hier gilt es, durch geschickt Licht und Perspektivenwahl das Motiv in einem "günstigem Licht" erscheinen zu lassen, also durch geschicktes Arrangement bestimmte Eigenschaften hervorzuheben.

Aber seit der Erfindung der Fotografie hat sich die Malerei stark verändert. Neben den möglichst wirklichkeitsgenauen Abbildungen haben sich Stilrichtungen entwickelt, welche die Wirklichkeit auf einfache Farben und Formen reduzieren, abstrahieren, unwirklich verändern oder ganz und gar von ihr Abstand nehmen und sich auf reine Formen und Farben konzentrieren.
Die Aufgabe der Dokumentation hat die Fotografie übernommen. Wobei es natürlich auch viele Fotografen gibt, die mit künstlerischen Absichten Fotografien.
Am Anfang des letzten Jahrhunderts war es noch ein großes Spektakel, wenn ein Fotograf aufgetaucht ist. Wenn der Mann mit dem großen Kasten kam um z.B. ein Haus oder einen Straßenzug zu fotografieren, war die ganze Nachbarschaft auf den Beinen, musste schauen was da passiert und nach Möglichkeit auch auf das Bild kommen.

Foto Anfang 20. Jahrhundert
Foto Anfang 20. Jahrhundert

Dies hat sich mit der Zeit aber geändert. Schließlich wurden die Fotoapparate kleiner, einfacher zu bedienen und für jeden erschwinglich, so dass bald fast jeder die Möglichkeit hatte, eigene Bilder zu Fotografieren. Eine der ersten dieser Volkskameras war wohl die AGFA Box.
Seit den 50iger Jahren gibt es eine immer weiter steigende Anzahl von Fotoapparaten für den Amateur. Durch das Kleinbildformat wurde ein Standard geschaffen, der es ermöglichte, überall Filme zu kaufen, welche praktisch waren und relativ kleine, kompakte Kameras zuließ. Es gab fast niemanden mehr, der nicht zu besonderen Gelegenheiten (Urlaub, Feiern usw.) eine Kleinbildkamera dabei hatte, um Erinnerungsfotos zu schießen. Eine neue Kamera brauchte man fast nicht mehr zu kaufen, da sich nach der Einführung von Autofokus und Zoom bei Kompaktkameras nicht mehr viel tat.

Zurzeit erlebt der Kameramarkt aber eine Renaissance, wie kein anderes Marktsegment: durch die Einführung der digitalen Technik wurden wieder viele motiviert, sich eine neue Kamera zu kaufen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: jeder kann sich zu Hause sein eigenes kleines Fotolabor am Rechner aufbauen. Man braucht keine Filme mehr kaufen und diese umständlich entwickeln lassen, sondern kann sofort nach dem Fotografieren die Kamera herumreichen und der eben Fotografierte kann sich selbst auf dem Monitor begutachten. Durch die neue Technik können die Kameras äußerst klein und kompakt gebaut werden, so dass diese auch in Mobiltelefonen Platz finden und da diese eh jeder dabei hat, hat bald auch jeder eine Kamera dabei. Jetzt kann man also wie wild Fotografieren und seine Mitmenschen bei jeder Gelegenheit ablichten. Auch wenn dies nicht erwünscht ist, wie z.B. im Freibad. Die Bilder, die dabei entstehen, sind oft Schnappschüsse, welche kurzzeitig erfreuen, aber nach ein bis zwei Jahren keinen mehr interessieren.

Ich habe selber Alben, Kartons und Dateiordner voll mit solchen Bildern und nur einige wenige, die ich auch nach Jahren noch für schön und vorzeigenswert halte.
Damit er Anteil der schönen Fotos steigt, muss man die Art des Fotografierens verbessern. Ein gutes Foto entsteht in den seltensten Fällen durch wildes Draufhalten und Abdrücken, sondern muss überlegt gemacht werden. Wie schon zu den Anfangszeiten der Fotografie sollte man sich Zeit lassen, um ein Bild zu machen. Eine schöne Landschaft kann man nicht aus dem fahrenden Auto heraus fotografieren. Man muss vielmehr anhalten, sich eine guten Standort suchen und das Bild in Ruhe machen.
Seit dem ich mich bemühe, schönere Bilder zu machen - was nicht heißt, dass es mir immer gelingt - sehe ich auch die Welt mit anderen Augen. Ich sehe mehr schöne Dinge und interessante Motive wie vorher, auch wenn ich diese meist nicht fotografiere.
Oft ist es eben besser kein Foto zu machen, als ein schlechtes.

Fotografie auf www.puchner.org | Kontakt | letzte Änderung: 2005-01-21 | nach oben