Fotografie

Bilddynamik

optische Widerstände

Bedingt durch Erfahrungen und kulturelle Einflüsse gibt es auf einer leeren Bildfläche schon eine Einteilung, wie gewisse Bildbereiche empfunden werden.
Unten ist die Standfläche, der Fuß auf welchem die Fläche steht. Oben ist die Fläche offen und leicht.
Diese Einteilung rührt von der täglichen Erfahrung mit der Schwerkraft her. Bei fast allen Gegenständen ist unten die Auflagefläche und oben die geringere Masse. Umso ausgeprägter diese beiden Eigenschaften bei einem Gegenstand sind, desto fester steht er auf dem Boden.
Auch beim Bildinhalt kommt diese Einteilung zum tragen, unten ist in den meisten Fällen der Boden und oben der Himmel, d.h. das schwere, feste ist unten und das leichte oben.
Kulturell geprägt sind die Leserichtung und somit auch der Eingang und der mögliche Ausgang einer Bildfläche. In der westlichen Kultur wird von links nach rechts gelesen und deswegen sind an einer Bildfläche der Eingang links und der Ausgang rechts. Die linke Seite wird deswegen eher als offen und die rechte als geschlossen empfunden.


Eine leere Fläche und die empfundene Fläche

Dies bedeutet, dass sich unten rechts die unbeweglichste und schwerste Ecke und links oben die freiste und leichteste befindet.

nach oben

Bewegung

Wie man anhand des Pfeils aus dem vorherigen Beispiel erkennen kann, ist die empfundene Bewegungsrichtung in einem Bild also von Links nach Rechts. Außerdem scheint die Schwerkraft auch in Bildern und Fotos zu wirken. Ein weiteres Beispiel soll das verdeutlichen.


Wohin rollt der blaue Ball?

Im linken Bild scheint er nach oben und im rechten nach unten zu rollen. Natürlich kann man durch einen einfachen Gedanken den Ball auch in die andere Richtung rollen lassen. Aber was hier zählt ist die Intuition.
Die Menschen auf dem Berg (relativ klein) gehen den Berg hinab.
Der kleine Pfad, kurz unter dem Kamm, steigt an zum Gipfel.
Dieses Fahrzeug fährt gegen die empfundene Bewegungsrichtung. Damit das Fahrzeug schneller wirkt, müsste das Bild gespiegelt werden.
Leider ist nun die Schrift auch spiegelverkehrt, aber wenn man sich die wegdenkt, dann fällt auf, dann passt die Richtung des Rennwagens hier besser.
Das rote Gummibärchen läuft gegen die Masse. Wobei es aber relativ leicht vorwärts kommt. Deutlicher wird das Gegen-den-Strom-Gehen in diesem Bild, da sich hier das Bärchen auch noch gegen die Leserichtung bewegt.

Bergab
Bergab
Bergan
Bergan
nach Links
nach Links
nach Rechts
nach Rechts
Gegen den Strom
Gegen den Strom
Gegen den Strom 2
Gegen den Strom 2
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Stabilität

Der Effekt mit der scheinbaren Schwerkraft lässt auch noch an einem anderen Beispiel erläutern:


Welche Figur ist stabiler?

Auch hier greifen wir wieder auf unsere Erfahrungen aus der realen Welt zurück und wir scheinen zu wissen, dass das linke Dreieck stabiler steht.
Aus gleichem Grund scheinen Gebäude, die schräg von unten fotografiert wurden, zum Umfallen zu neigen.

Stürzende Linien
Stürzende Linien
Dieser Turm ist gerade
Dieser Turm ist gerade
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Bildbegrenzung


Welcher Ball kann aus dem Bild rollen und warum ist im dritten Bild kein Ball?

Der blaue Ball ist scheinbar gerade erst ins Bild gekommen, der rote wird bald aus dem Bild rollen und die Mauer im rechten Bild verhindert, dass überhaupt ein Ball ins Bild kommt.
Ähnlich wie im Beispiel mit der Mauer und den Bällen verhält es sich auch mit der Bildaufteilung. Oben und links im Bild sollten keine optischen Hindernisse sein, damit der Blick des Betrachtes auf das Bild kommen kann. Unten und rechts sollte sich aber eine optische Barriere befinden, damit der Blick im Bild bleibt und nicht heraus gleitet.

Ohne Boden
Ohne Boden
Mit Boden
Mit Boden
Das Haus
Das Haus
Der Turm
Der Turm
Fotografie auf www.puchner.org | Kontakt | letzte Änderung: 2009-02-22 | nach oben