Fotografie

Schärfe

Ein Qualitätskriterium für eine technisch gute Fotografie ist die Bildschärfe. Ist diese nicht passend, hilft es nichts wenn die Belichtung und die Komposition perfekt sind.

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Bildschärfe

Scharfe Bilder zeichnen sich dadurch aus, dass ein möglichst hoher Kontrast zwischen einzelnen Bildteilen (Flächen, Konturen usw.) oder innerhalb von Texturen vorhanden ist.
Da es in der Realität von sich aus unterschiedlich hohe Kontraste gibt, ist es schwer eine absolute Aussage über das Vorhandensein von Schärfe zu nennen. Eigentlich kann man davon ausgehen, dass ein Foto dann die optimale Schärfe erreicht, wenn es die Realität exakt abbildet. Dies kann aber kein technische Hilfsmittel und es ist auch nicht notwendig, da eine Fotografie keine Kopie der Realität, sondern nur ein Abbild ist. Bei diesem liegt die technisch optimale Bildschärfe vor, wenn der maximal mögliche Kontrast erzielt wird. Nicht immer ist die maximale Bildschärfe die richtige Wahl für die Aussage einer Fotografie, aber das wird unter Bildgestaltung behandelt.
Schärfe ist also schwer zu erklären, aber das Gegenteil die Unschärfe nicht. Diese kann durch verschiedene Faktoren entstehen. In den folgenden Beispielen werden die häufigsten Ursachen für Unschärfe gezeigt:


Scharfe Aufnahme

Unscharf wegen falscher Fokussierung

Unscharf wegen Bewegung (Verwackelt)

Unscharf wegen Bewegung des Motivs

Unscharf wegen schlechter Optik (angelaufene Linse)

Unscharf wegen Bildverarbeitung (Rauschentfernung)

In den obigen Beispielen kann man die vorhandene und nicht vorhandene Schärfe am Kontrast zwischen der Schrift und dem Karton (Kantenschärfe) und der Textur des Kartons erkennen.
Scharf
scharf abgebildeter Punkt
Anhand der der letzten zwei Beispielen kann man den erklären, was es mit der maximal möglichen Schärfe auf sich hat. Betrachtet man eines der beiden Bilder für sich, könnte man auch zum Ergebnis kommen, dass diese schon scharf. Vor allem beim letzten ist wenig Unschärfe zu erkennen. Im Vergleich zum ersten Beispiel fällt dann aber auf, dass es noch besser geht.
Leider ist Unschärfe in der Regel nicht durch Nachbearbeitung wegzubekommen, man kann nur leichte Unschärfe kaschieren oder scharfe Bilder noch weiter schärfen.
Unschärfe entsteht, wenn Punkte des Motives im Bild nicht als Punkte aufgenommen werden. Das Beispiel rechts zeigt, wie das auf dem Sensor aussehen kann.
Je nach Ursache der Unschärfe werden aus Punkten Kreise oder Linien. Diese werden vom Auge aber nur als Unschärfe wahrgenommen, wenn Sie größer sind, als das Auflösungsvermögen des menschlichen Augen. Dieses kann in einem Abstand von 30 cm minimal 0,1 mm auflösen. Wenn also im betrachteten Bild die Unschärfekreise/ -linien kleiner als diese 0,1 mm sind, werden sie vom Menschen nicht erkannt. Erst bei näherer Betrachtung oder einer Vergrößerung fällt dann die Unschärfe auf. Dies kann man sich natürlich auch anders herum zunutze machen und leichte Unschärfe durch z.B. kleine Ausdrucke verstecken.

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Fokus

Bildpunkte, welche sich genau in der Ebene befinden, auf die fokussiert wurde, werden als Punkte auf dem Sensor abgebildet. Wurde nicht oder falsch fokussiert, wird der Punkt als Kreis abgebildet. Die Kreise von benachbarten Punkten überlappen sich und so kommt es zu einem unscharfen Bild.
Die Einstellung des Fokus kann auf verschiedenste Weisen geschehen.

Autofokus (AF)

Die wohl häufigste ist der Autofokus. Hier wird, wie im Kapitel die [Kamera - Fokussieren] erklärt, entweder die Entfernung gemessen oder der Kontrast maximiert..
Falscher Fokus
unscharf wegen falschem
Fokus
Dies geschieht bei den meisten modernen Kameras über einen sehr großen Bereich des Bildes, wobei sich er Autofokus meist für das nahste Motiv entscheidet und darauf scharf stellt. Will man dies nicht hat man mehrere Möglichkeiten, muss man als erstes die automatische Auswahl des AF-Feldes abschalten. Danach kann man:

Die Methode ist, wenn man immer den AF-Punkt frei wählen will, am schnellsten, da man die Kamera schneller schwenken kann, als das AF-Feld verstellen. Es sei denn die Kamera hat einen Touchscreen, der es erlaubt, durch Berühren des Bildschirms das AF-Feld einzustellen. Dadurch kann man schnell und flexibel auf Motive reagieren.
Digitalkameras können den Fotografen noch weiter unterstützen, so gibt es z.B. eine Gesichtserkennung. Ist diese aktiviert, versucht die Kamera Gesichter zu erkennen und stellt dann automatisch auf diese scharf. Je nach Kameramodell funktioniert das auch ganz gut und auch mit mehreren Gesichtern.
Will man Makroaufnahmen von nahen Objekten machen, kann man das dem AF mitteilen in dem man auf die "Blume" drückt. Das gleiche gibt es auch für weit entfernte Motive und die Funktion wird durch einen "Berg" symbolisiert.
Schwierig wird es erst dann, wenn der Autofokus es nicht schafft, die korrekte Entfernung einzustellen. Dies kann z.B. bei dunklen oder kontrastarmen Motiven der Fall sein. Dann kann man folgendermaßen vorgehen:


Bild links: Fokus liegt zu weit hinten - Bild rechts: Richtig fokussiert

Bewegt sich das Motiv, kann es passieren, dass es schwieriger wird, richtig zu fokussieren. Zum einen kann sich das Motiv zwischen Scharfstellen und auslösen aus der Schärfeebene bewegen oder der Autofokus schafft es erst gar nicht, das bewegte Motiv zu erfassen.
Viele Kameras bieten neben dem normalen AF, welcher beim Halbdurchdrücken einmal scharfstellt und dann die Einstellung bis zum Auslösen oder Neufokussieren behält, einen kontinuierlichen AF, welcher immer wieder nachregelt. Dadurch kann man bewegte Motive verfolgen und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass das Motiv beim Auslösen unscharf ist.
Manche AF-Systeme schätzen die Geschwindigkeit des Motivs und berechnen beim Auslösen die Position, da das AF-System zwischen Auslösen und Öffnen des Verschluss blind ist.
Unterschiede gibt es auch bei der Serienbildfunktion. Da gibt es Systeme die zwischen jedem Bild neu scharf stellen und andere, die das nicht können.
Eine andere Möglichkeit wäre, auf einen Punkt in fester Entfernung zu Fokussieren und dann zu warten, bis das Motiv genau diese Entfernung zur Kamera hat um dann auszulösen. Dazu muss man aber wissen, wie sich das Motiv bewegt.

Manueller Fokus

Bei vielen Kameramodellen für ambitionierte Fotografen kann man manuell scharf stellen. Dabei wird man manchmal von technischen Hilfsmitteln unterstützt. Kameras mit Life-view können den zentralen Bildausschnitt stark vergrößern und so das Scharfstellen erleichtern.
Viele ältere analoge Kameramodelle verfügen nicht über ein AF-System. Hier muss man dann die Schärfe manuell einstellen.
Dabei gibt es aber bei höherwertigen Kameras verschiedene Möglichkeiten, um sich das Leben leichter zu machen [Die Kamera - Fokussieren]. Dabei muss man so lange am Objektivring drehen, bis entweder:

Diese Hilfsmittel sind meist in der Mitte des Sucherbildes. Natürlich kann man auch hier die Kamera nach dem Fokussieren schwenken, um nicht ständig das Hauptmotiv mittig fotografieren zu müssen.
Sollte die Kamera über keines der oben genannten Hilfsmittel verfügen, muss die Entfernung geschätzt werden.
Sämtliche manuellen Einstellmöglichkeiten sind aber nur bedingt schnappschusstauglich. Durch geschickte Wahl von Blende und Entfernung, kann man aber die Kamera so einstellen, dass ein großer Bereich scharf wird. Bei einer Minox 35 wäre dass z.B.:
Blende auf 8, Entfernung auf 5 bis 6 m und schon wird alles zwischen 3 m und Unendlich scharf. Mit einer kleineren Blende lässt sich der Bereich noch vergrößern (siehe auch hyperfokale Distanz).

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Verwackeln

Das Problem mit verwackelten Bildern kennt wohl jeder. Wenn die Belichtungszeit zu lang ist, kann man die Kamera nicht lange genug ruhig halten und man belichtet ein verwischtes Bild.
Verwackelt
Unscharf durch Verwackeln
Das liegt daran, dass der Mensch sich eigentlich immer leicht bewegt. Zum einen zittert die Muskulatur und selbst wenn man das ganz gut unter Kontrolle hat, führt der Herzschlag regelmäßig zu kleinen Bewegungen im Körper. Sportschützen kennen das Problem.
Weitere Ursachen für Verwackler können die Bewegungen der Hand beim Auslösen und auch die Mechanik der Kamera sein. So führt das Zurückklappen des Spiegels bei einer einäugigen Spiegelreflexkamera zu leichten Vibrationen.
Durch diese Vibrationen und Bewegungen verschiebt sich ein Punkt des Motivs auf dem Negativ bzw. dem Sensor während der Belichtung um einen bestimmten Betrag. Dieser Betrag ist umso größer, je länger man belichtet und je größer die Brennweite bzw. der Abbildungsmaßstab ist. Wie groß dieser Weg dann später auf dem fertigen Bild ist, hängt von der Vergrößerung zwischen Negativ/ Sensor und Bild ab. Auf dem Bild entscheidet sich dann, ob man eine Unschärfe durch Verwackeln erkennen kann oder eben nicht. Um diese nicht erkennen zu können, muss die Bewegung auf dem fertigen Bild kleiner sein, als das Auflösungsvermögen des Auges. Hier gelten ungefähr die gleichen Regeln wie beim Fokussieren und den Unschärfekreisen.

Verwackelt
Zu lange Belichtungszeit, zu unruhige Hand: verwackelt.

Inzwischen helfen die meisten Kameras und viele Objektive mit beweglichen Sensoren bzw. Linsen diese Unschärfe zu reduzieren, in dem sie versuchen die Bewegungen auszugleichen.
Bei Digitalkameras wird die Verwacklungsgefahr meist durch ein Symbol oder durch unterschiedlich farbige Anzeige der Belichtungszeit dargestellt. Man kann aber auch die folgende Faustformel heran ziehen, muss dazu aber die eingestellte Brennweite auf eine dem Kleinbild entsprechende Brennweite umrechnen. Wie groß der Umrechnungsfaktor ist, kann aber leicht der Kamerabeschreibung entnehmen. Bei einer DSLR mit APS-Sensor beträgt der Faktor ungefähr 1,5. Die Brennweite 85 mm am Objektiv entspricht dann ungefähr 130 mm KB. Also sollte man mit einer nicht stabilisierten Kamera bei eingestellter Brennweite 85 mm mit 1/125 s oder kürzer belichten.
Mit Stabilisator kann man doppelt oder dreimal so lange belichten, bevor die Gefahr zu groß wird, die Aufnahme zu verwackeln.

Wenn man Bilder aus der Hand macht, sollte man auf einen festen Stand achten. Beine leicht gespreizt und fest auf dem Boden. Die Kamera immer fest in der Hand halten, am besten mit zwei Händen und die Kamera zusätzlich an der Stirn aufsetzen.
Noch stabiler ist es, wenn man die Ellenbogen oder die Oberarminnenseiten auf eine feste Oberfläche abstützen, z.B. auf einem Tisch, Fensterrahmen, Balken oder der Boden.
An der Kamera sollte man eine möglichst kleine Belichtungszeiten wählen, dazu muss die Blende größer werden oder die Empfindlichkeit steigen. Eine Faustregel für Kleinbildkameras sagt: die Belichtungszeit sollte immer kleiner sein als 1/ Brennweite. Also bei 50 mm Brennweite sollte die Belichtungszeit kürzer als 1/50 s sein. In diesem Fall wählt man wohl 1/60 s. Bei anderen Filmformaten muss man sich diese Zeiten entsprechend umrechnen.
Falls vorhanden, sollte den Bildstabilisator einschalten, dieser sorgt für scharfe Aufnahmen bei vier- bis 8-facher Belichtungszeit, d.h. in obigen Beispiel wären das ca. 1/8 s oder 1/4 s. Bei Spiegelreflexkameras sollte man die Spiegelvorauslösung verwenden. Diese sorgt dafür, dass zwischen Hochklappen des Spiegels und Öffnen des Verschlusses genügend Zeit ist, dass die Schwingungen Verursacht durch den Spiegel abklingen.
Sehr hilfreich ist auch eine Fläche, gegen die man die Kamera mit dem Boden drücken kann (z.B. Baum, Hauswand usw.). Dabei sollte die Kamera auch nicht kippen können.
Am besten verwendet man aber ein Stativ. Am besten ein festes, stabiles Stativ. Umso schwerer und massiver, desto besser. Bei kleinen, leichten Stativen kann man zusätzlich den Zwei-Sekunden-Selbstauslöser und die Spiegelvorauslösung einstellen. So kann man sicher gehen, dass man nicht beim Auslösen wackelt. Noch besser ist es, einen Fernauslöser zu verwenden. Da gibt es die verschiedensten Varianten: Draht, Kabel, IR, Funk oder das Smartphone.

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Bewegung des Motivs

Maximale Belichtungszeit

Ein Bild wird auch unscharf wenn sich nicht die Kamera, sondern das Motiv bewegt. Diese so genannte Bewegungsunschärfe entsteht, wenn sich das Abbild des Motivs auf dem Sensor bzw. Film während der Belichtungszeit weiter als eine gewisse Strecke bewegt. Dies führt dazu, dass das Motiv in Bewegungsrichtung verwischt abgebildet wird.
Bewegungsunschärfe
Bewegungsunschärfe
Dieser Effekt muss nicht immer negativ sein. Bewusst eingesetzt kann man damit Geschwindigkeit und Bewegung im Bild festhalten.
Neben der tatsächlichen Geschwindigkeit des Motivs, der Entfernung zur Kamera, der Belichtungszeit und der Brennweite ist auch die Richtung, in der sich das Motiv relativ zur Kamera bewegt, wichtig. Ein Objekt welches sich auf die Kamera zu bewegt, wird bei gleicher Belichtungszeit weniger verwischen, als eines welches sich quer zur Kamera bewegt.
Wie weit sich das Motiv während des Belichtens bewegen darf, so dass es noch scharf abgebildet wird, kann man sich errechnen.
Auf dem Kleinbildfilm darf sich das Motiv nur 0,03 mm bewegen. Ein Fahrzeug, welches mit 50 km/h in ca. 20 m Entfernung quer zur Kamera vorbei fährt muss mit einem 50 mm Objektiv wie folgt belichtet werden:

D.h. man müsste dieses Fahrzeug mit 1/ 1000 s belichten.
Das Auge bzw. das Gehirn werden wohl das Fahrzeug auch noch bei einer Belichtungszeit von 1/500 s als scharf erkennen. Langsamer sollte aber nicht belichtet werden.
Wird die Brennweite länger, der Abstand kürzer oder das Fahrzeug schneller, muss eine kürzere Belichtungszeit gewählt werden.

verwischtes Rennauto
Unschärfe durch Bewegung (1/250s)
Brennweite:
50 mm
Entfernung
1 m5 m10 m20 m50 m100 m
Geschwindigkeit5 km/h1/1000 s1/ 250 s1/125 s1/60 s1/30 s1/15 s
10 km/h1/2000 s1/500 s1/250 s1/125 s1/60 s1/30 s
20 km/h1/4000 s1/1000 s1/500 s1/250 s1/125 s1/60 s
50 km/h-1/2000 s1/1000 s1/500 s1/250 s1/125 s
100 km/h-1/4000 s1/2000 s1/1000 s1/500 s1/250 s

Diese Tabelle gilt für Objekte, die sich quer zur Kamera bewegen und einer Brennweite von 50 mm. Verändert sich die Richtung zur Kamera oder die Brennweite, ändern sich die Zeiten wie folgt:

Bewegungsunschärfe
Gewollte Unschärfe/ Schärfe

Mitziehen

Will man von einem bewegtem Objekt, wie zum Beispiel einem vorbeifahrenden Rennwagen, ein scharfes Foto machen, kann man entweder eine sehr kurze Belichtungszeit wählen und dadurch die Bewegung einfrieren, oder man bewegt die Kamera synchron zum Objekt und erhält dadurch ein Bild, welches das Objekt scharf und den Hintergrund unscharf abbildet. Der dadurch erzielte Effekt verdeutlicht die Geschwindigkeit des Motivs.
Man kann diese Methode auch anwenden, wenn man wegen schlechter Lichtverhältnisse so lange belichten muss, dass das bewegte Motiv nicht scharf abgebildet werden kann.
Mitziehen ist eine Technik, die man mit ein bisschen Üben schnell erlernen kann. Dabei wird die Kamera so geschwenkt, dass das Fahrzeug (oder ein anderes bewegtes Motiv) immer im selben Ausschnitt des Suchers zu sehen ist. Während der Schwenkbewegung wird dann ausgelöst.
Bewegt sich das Motiv auf einen zu, kann man durch gleichzeitiges Zoomen einen ähnlichen Effekt erzielen. Dabei sollte man aber auf die Fokussierung oder auf genügend Schärfentiefe achten. Diese Art des Mitziehens ist natürlich nur mit Kameras möglich, die ein manuelles Zoomen ohne Motor während der Belichtung erlauben.

DTM Rennwagen
Mitziehen
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Optik

Abbildungsfehler der Optik können sich auch als Unschärfe bemerkbar machen. Fettige, verschmierte oder angelaufenen Frontlinsen erzeugen Unschärfen wie ein Weichzeichnungsfilter. Da hilft Putzen oder Abtrocknen. Bei Kratzern oder Verschmutzungen im Objektiv hilft oft nur die Neuanschaffung.
Wenn die optische Qualität unter dem günstigen Preis leidet, hilft nur die Anschaffung einer besseren Optik.
Bei günstigen Objektiven oder Kameras mit Kunststofflinsen sind diese Effekte teilweise sogar gewünscht: siehe Lomography [https://www.google.de/search?q=lomography]. Für Kameras mit Wechselobjektiv gibt es Lochobjektive oder auch Objektive welche sich händisch verkippen lassen wie z.B. von Lensbaby. In solchen Fällen wird die Unschärfe gezielt eingesetzt.

gewünschte Unschärfe
Mit einem Lensbaby aufgenommenes Foto
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Rauschentfernung

Rauschen ist ein Problem bei digitalen Aufnahmen, welche mit sehr hohen Empfindlichkeiten gemacht wurden. Dieses Rauschen wird oft schon in der Kamera vor dem Abspeichern des Bildes entfernt, wobei gleichzeitig die Schärfe reduziert wird. Dies fällt vor allem dann auf, wenn zwei Fotos, eines mit hoher und eines mit niedriger Empfindlichkeit aufgenommen, miteinander vergleicht.

Rauschfilter
Links verrauscht, aber schärfer - Rechts: entrauscht
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Schärfentiefe

Wie weiter oben im Text erwähnt, erreicht man die scharfe Abbildung eines Motivs, in dem man auf dieses fokussiert, also das Objektiv genau auf die Entfernung zwischen Motiv und Objektiv einstellt. Alles andere wird, abhängig von der Entfernung zum Motiv, unscharf.
Den Bereich, den man als scharf wahr nimmt, nennt man Schärfentiefe. Dabei handelt es sich um einen Bereich mit einer gewissen Ausdehnung, also Tiefe, in dem etwas scharf abgebildet wird. Man kann die Schärfentiefe in Metern angeben.
Dieses Begriff kann man leicht mit der Tiefenschärfe verwechseln, wobei die beiden Begriffe in vielen Texten synonym verwendet werden, ist doch die Schärfentiefe die bessere Bezeichnung.
Die Schärfentiefe hängt von folgenden Faktoren ab:

Die Schärfentiefe gibt an, wie weit Objekte vor und hinter der Schärfenebene liegen können, damit sie noch scharf auf dem Foto abgebildet werden.

Entstehung

Der Eindruck von Schärfe entsteht, wenn die Unschärfen kleiner sind, als das Auflösungsvermögen des Auges. Bei einem Papierfoto im Format 15 cm x 10 cm zum Beispiel, würden unscharfe Punkte erst ab einem Durchmesser von 0,1 mm als solche zu erkennen sein. Dies bedeutet, dass alles was vor oder hinter der Schärfeebene liegt und eine Unschärfekreise von weniger als 0,1 mm erzeugt, wird als scharf wahrgenommen. Wenn man nun die Ausdehnung dieses Bereichs, also dessen Tiefe, ausmisst, erhält man die Schärfentiefe. Mehr dazu siehe Schärfentiefe.

Einstellen

Zum definierten Einstellen der Schärfentiefe muss man die Möglichkeit haben, die Blende zu beeinflussen.
Dies kann z.B. dadurch geschehen, dass man am Blendenring des Objektivs die gewünschte Blendenzahl einstellt. Dies ist aber meist nur bei eher älteren, analogen Kameras möglich.
Die meisten modernen Objektive lassen einem diese Möglichkeit nicht mehr und so ist es am einfachsten, wenn die Kamera mit einer Zeitautomatik ausgestattet ist. Dann stellt man einfach die gewünschte Blende ein und die Kamera errechnet die passende Belichtungszeit.
Manche Kameras bieten extra Motivprogramme mit geringer Schärfentiefe (z.B. Portrait) und großer Schärfentiefe (z.B. Landschaft).
Weiterhin kann man die Schärfentiefe mit der Brennweite und dem Abstand zum Motiv beeinflussen. Wenn es geht, stellt man für eine geringe Schärfentiefe eine lange Brennweite ein und geht nah an das Motiv heran. Dies hängt aber vom Motiv und der Kamera bzw. dem Objektiv ab.
Objektiv mit Blendenring
Größe der Schärfentiefe an einem Objektiv.
Wie groß die tatsächliche Schärfentiefe mit den ausgewählten Parametern ist, kann man an den meisten Kameras nicht ablesen. Da hilft also nur ausprobieren und Erfahrung sammeln. Die Vorschau auf dem Monitor ist nur bedingt zu Kontrolle geeignet, da die Auflösung der Displays meist nicht hoch genug ist und der Bildschirm deutlich kleiner als das ausbelichtete Fotos ist. Ins Bild zoomen hilft nur bedingt. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man Bilder mit verschiedenen Blenden mach und sich dann hinterher die beste Variante aussuchen.
Aus den Angaben Blende, Brennweite, Entfernung und Sensorgröße kann man sich auch die Größe der Schärfentiefe berechnen. Dafür kann man sich Tabellen ausrucken oder eine passende App auf sein Smartphone laden.
An analogen Kleinbildkameras kann man diese Information oft ohne viel Rechnen am Objektiv ablesen.
Dazu wird die passende Fokussierung und mit der Blende die gewünschte Schärfentiefe eingestellt. Wie groß diese ist, kann man dann an den Strichen mit der entsprechenden Blendenzahl ablesen. In obigen Beispiel würde die Schärfe bei Blende 8 von etwas mehr als zwei Meter bis fünf Meter gehen,
Bei Spiegelreflexkameras kann man dann die eingestellte Schärfentiefe auch auf der Mattscheibe kontrollieren. Dazu muss man meist das Objektiv abblenden. Bei Objektiven mit Springblende betätigt man dazu einen extra Mechanismus, welcher die Blende auf die gewünschte Größe verkleinert. Auf der Mattscheide sieht erhält man dann einen Eindruck des Schärfeverlaufs im späteren Foto.

Verwendung

Blaumeise
Blaumeise
Kröte
Kröte
Kanone
Kanone
Bach
Bach

Hyperfokale Distanz

Blendenring
Einstellung der Hyperfokalen Distanz

Mit dem Wissen um die Schärfentiefe tut man sich bei dem einen oder anderen Motiv leichter. So kann man diese ausnutzen um bei z.B. Landschaftaufnahmen neben dem unendlich weit entfernten Hintergrund, so viel wie möglich Vordergrund scharf darzustellen.
Dazu stellt man den Fokus nicht auf Unendlich, sondern so ein, dass die obere Grenze der Schärfentiefe auf Unendlich steht.
Dadurch erhält man bei gleicher Blende, eine größere Schärfentiefe, z.B. kann man statt Objekte, welche 10 m weit sind, Objekte in 5 m Entfernung noch scharf darstellen.
Diese Einstellung kann man natürlich nur vornehmen, wenn man die Blende und den Fokus manuell einstellen kann. Bei den meisten modernen Kameras bzw. Objektiven wird das nicht klappen.

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Förderliche Blende

Neben der Schärfentiefe werden durch Abblenden auch viele der Abbildungsfehler des Objektivs gemindert. Will man also ein gestochen scharfes Bild mit möglichst großem Schärfebereich, muss man so weit wie möglich abblenden.
Leider geht das aber nur bis zu einem gewissen Blende. Danach steigt die Unschärfe wieder an. Die Blende mit der maximalen Bildschärfe nennt man förderliche Blende.
Die Unschärfe durch Abblenden wird von der immer vorhanden Beugung des Lichts verursacht. Diese ist physikalisch gegeben und kann konstruktiv nicht gemindert werden.
Die Blende, bei der man die beste Abbildungsleistung erreichen kann, ist von Objektiv zu Objektiv verschieden und sollte ausprobiert werden.

f/ 2.8 f/ 5.6
f/ 2.8 f/ 5.6
f/ 11 f/ 22
f/ 11 f/ 22

Am schärfsten aus der obigen Reihe ist die zweite Aufnahme. Die Fotos mit kleinerer und größerer Blende sind unschärfer.
Für scharfe Bilder sollte man also, wenn es die Belichtung zulässt, immer nur ein paar Blenden abblenden.

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